
Die Trigeminusneuralgie ist eine relativ häufige Unterform sogenannter „Gesichtsschmerzen“. Es handelt sich um plötzlich einschießende und streng einseitige Schmerzattacken im Versorgungsgebiet des jeweils betroffenen Nerven. Statistisch gesehen kommt die Trigeminusneuralgie bei ca. 40 von 100.000 Menschen vor, Frauen sind 1,5 fach häufiger befallen als Männer. Der Altersgipfel liegt zwischen dem 50. und 80. Lebensjahr. Bei der Trigeminusneuralgie gibt es verschiedene Formen:
Idiopathische Trigeminusneuralgie (d. h. in Deutsch: Man weiß nicht, wo es her kommt):
Bei der klassischen Trigeminusneuralgie gibt es in letzter Zeit jedoch zunehmende Hinweise auf häufig vorkommende anatomische Verbindungen zwischen Teilen von Nerven und Hirngefäßen. Wenn ein arterielles, d. h. direkt vom Herzen kommendes, Blutgefäß im Herzschlag „klopft“, kann dieses Klopfen zu einer Irritation des daneben liegenden Nervens führen, der dann mit solchen klassischen Schmerzen reagiert.
Symptomatische Trigeminusneuralgie:
Hier kommt die Trigeminusneuralgie am häufigsten vor bei Multipler Sklerose, außerdem bei Prozessen im Kleinhirnbrückenwinkel, bei Gefäßveränderungen nach einer Herpes-Erkrankung und nach Schädelbasisfrakturen.
KLINIK DER TRIGEMINUSNEURALGIE:
Streng einseitige, blitzartig einschießende, unerträglich stechende/brennende Schmerzen von Sekunden bis 2 Minuten Dauer. Es können bis zu 100 Attacken pro Tag auftreten. Unklar ist, warum die Trigeminusneuralgie in 75 % der Fälle rechts auftritt. Ausgelöst werden kann die Trigeminusneuralgie z. B. durch Berührung bestimmter Hautareale, durch Kauen, Sprechen, Luftzug, kalte Speisen oder Getränke.
BEGLEITSYMPTOME DER TRIGEMINUSNEURALGIE:
Tränenfluss
Gesichtsrötung
DIAGNOSTIK DER TRIGEMINUSNEURALGIE:
Führend ist die Kernspintomographie und in der Neurophysiologie das Trigeminus-SEP (die Messung einer Nervenleitgeschwindigkeit von einem Punkt A zu einem Punkt B). Unabdingbar ist eine HNO- und zahnärztliche Untersuchung, gegebenenfalls kann auch eine Liquoruntersuchung (Nervenwasser) durchgeführt werden.
Wichtig:
Nicht selten wird die Trigeminusneuralgie mit anderen Gesichtsschmerzen verwechselt.
Die Trigeminusneuralgie gehört in die diagnostischen Hände eines Nervenarztes. Häufig werden nicht indizierte Zahnextraktionen und HNO-Operationen durchgeführt.
MEDIKAMENTÖSE BEHANDLUNG DER TRIGEMINUSNEURALGIE:
Hinweis:
Normale Analgetika sind unwirksam!
Carbamazepin und Gabapentin können helfen. Sie dürfen allerdings
nicht zu niedrig dosiert werden.
Bezüglich des oben genannten Hinweises einer möglichen Verbindung zwischen einem Gefäß und dem Trigeminusnerven gibt es bei strenger Indikationsstellung eine Operationsmethode nach Janetta, hierbei handelt es sich jedoch um einen großen Eingriff am Gehirn, so dass zunächst sämtliche Möglichkeiten der medikamentösen Behandlung ausgereizt werden sollen.
Ihr Prof. Dr. F. L. Welter
Arzt für Neurologie u. Psychiatrie, Arzt für Physikalische
Medizin
Chefarztsekretariat
Frau Schulz
Telefon 05626 87-919
Fax 05626 87-900
E-Mail schulz@hardtwalklinik1.de
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Aktualisiert am 03.02.2012