
Traumatherapie
Phase
2
Eine sinnvolle und vertretbare Konfrontation mit dem
Trauma darf erst dann erfolgen, wenn die
Stabilisierungsphase erfolgreich abgeschlossen wurde. Hier sei noch
einmal als Erinnerung benannt, dass die Traumabearbeitung nicht das
primäre Ziel der Traumatherapie ist. Die Bearbeitung der
Traumafolgen (Symptome, Verhaltensweisen,
Persönlichkeitsveränderungen) ist oft sehr viel wichtiger, als die
Traumabearbeitung mit der Aufarbeitung des Traumas
mittels Traumakonfrontation. (Siehe auch Traumatherapie: Phase 1)
Vorrang hat, dass der einzelne verstehen lernt, warum er sich so verhält und in welchem Zusammenhang bestimmte Empfindungen, Gedanken, körperliche Reaktionen und Denken mit den Traumatisierungen stehen und entsprechend vom einzelnen zugeordnet werden können. Vorrangig ist die Reduktion von Disstressphänomenen mittels entsprechender Techniken, die in der Stabilisierungsphase erlernt worden sind. Vorrangig in der Traumatherapie ist immer die Stabilisierung und der Stabilitätsaufbau. Bei Monotraumatisierung ist die Durchführung einer Traumaexposition oftmals angesagt, bei komplexen Traumatisierungen in der Kindheit ist eine weitere Traumabearbeitung zur Durcharbeitung des Traumas mit unterschiedlichen Verfahren sehr gut zu überlegen und abzuwägen, ob dies sinnvoll und gewünscht oder schädlich ist. Wenn man zu früh eine Traumakonfrontation durchführt, läuft man Gefahr, mehr Schaden anzurichten als Gutes zu bewirken.
| Klare Kontraindikationen für die
Traumakonfrontation: ▼ Aktuelle körperliche Erkrankungen ▼ Belastende Ereignisse ▼ Täterkontakt ▼ Psychose oder psychosenahe Zustände ▼ Suizidalität ▼ Geringe Distanzierungsfähigkeit zu den traumatischen Erlebnissen ▼ Geringe Toleranz gegenüber den eigenen Gefühlen ▼ Selbstverletzendes Verhalten sowie selbstschädigendes Verhalten ▼ Häufige bzw. schwere Dissoziationen ▼ Drogenkonsum ▼ Lebensbedrohliche Erkrankungen bzw. körperliche Reaktionen während der traumatischen Ereignisse ▼ Aktuelle Umstellung auf andere Medikamente bzw. hochdosierte pharmakatherapeutische Behandlung ▼ Schwere Depressionen |
Der Wunsch ist zwar verständlich, wenn von Ihrer Seite schnellstmöglich gewünscht wird, dass die schlimmen früheren Ereignisse bearbeitet werden, jedoch aus o. g. Gründen ist ein sehr sorgfältiges Vorgehen, Handeln und Planen bei der Traumabearbeitung notwendig.
Traumabearbeitung: Traumaexpositionstechniken
In den vergangenen Jahren wurden unterschiedliche spezielle Techniken entwickelt, um damit traumatische Erlebnisse bearbeiten zu können. Die Erfahrungen in der Traumabearbeitung zeigten, dass über traumatische Ereignisse zu sprechen, keine Erleichterung bewirkte, sondern dass die Symptome sich dadurch größtenteils verstärkten.
Jedes der einzelnen unten aufgeführten Verfahren hat seine Vor- und Nachteile.
Unser Vorgehen in der Traumabearbeitung ist , dass wir der KlientIn die unterschiedlichen Verfahren beschreiben und dann gemeinsam ausgesucht wird, welche Technik am hilfreichsten und am schonendsten ist. Die Durchführung der Traumabearbeitung erfolgt immer unter Anwesenheit der Bezugsschwester. Die Dauer einer Sitzung zur Traumabearbeitung umfasst ca. 2 Stunden und muss, außer bei Monotraumatas, mehrmals wiederholt werden. Unbedingte Voraussetzung ist, dass ein Beobachtender Anteil in einem Selber zu Verfügung steht, dass das innere traumatisierte Kind und alle erlebenden Teile in einem in Sicherheit (innerer sicherer Ort) sind und dass bei Durcharbeiten Themen des Verhaltens, der Affekte, der Empfindungen und des Denkens integriert sind.
Zur Traumabearbeitung stehen und folgende Verfahren zur Verfügung:
· Beobachtertechnik
· Bildschirmtechnik
· TRIMBâ
· EMDR
· EMI
Beobachtertechnik
Voraussetzung für die Durchführung dieser Technik ist, dass ein innerer, nicht emotional beteiligter beobachtender Teil in der Therapie entwickelt wurde oder schon vorher da war, der die traumatischen Ereignisse aus der Distanz beobachtet bzw. beobachtet hat. Notwendig für die Durchführung ist, einen guten inneren sicheren Ort zu haben, über innere Helfer zu verfügen, ideale Elternfiguren zur Verfügung zu haben sowie die Benutzung der Tresortechnik. Alle Ich-Anteile, die von der Szene betroffen sein können, sollten in der Vorstellung an einen inneren sicheren Ort gebracht werden. Nach der Vergewisserung, dass alle Ich-Anteile in Sicherheit sind, wird das Trauma von Weitem bearbeitet, in dem der Beobachter das Erlebnis berichtet, es in Worte fasst und einem anderen Menschen, mittels des Therapeuten, mitteilt, was bisher mit Worten nicht ausdrückbar war.
Bildschirmtechnik
Die Bildschirmtechnik beruht auf der Beobachtertechnik, d. h. alle emotional beteiligten Ich-Anteile gehen an den inneren sicheren Ort. Die PatientIn stellt sich vor, sie verfügt über eine imaginäre Fernbedienung, mit der man Bilder verkleinern kann oder schwarzweiß machen kann oder auch mit einer Farbe einfärben kann. Aus der Distanz wird das Ereignis auf dem Bildschirm betrachtet, als sei es die Geschichte eines anderen. Mit Hilfe dieses Vorgehens wird das Trauma Schritt für Schritt durchgearbeitet.
TRIMBâ
Ein von Ingrid Olbricht entwickeltes Verfahren, das in seinen Ursprüngen aus Mittelamerika stammt. Beim TRIMBâ-Verfahren wird nicht eine Szene betrachtet, sondern dieses Verfahren hilft, stark gefühlsmäßig besetzte Beziehungen zu anderen Menschen deutlich zu reduzieren, eingebunden der Körpergefühle. Vorteil dieses Verfahren ist, dass das Verfahren auch im Alltag eingesetzt werden kann. Traumatische Erfahrungen sollten jedoch nur nach vorherigem längeren Training des Verfahrens mit der TherapeutIn durchgeführt werden.
EMDR (Eye Movement Desensitisation and Reprocesing)
EMDR wurde von der amerikanischen Psychologin Francin Schapiro in den 80er Jahren entwickelt und ist heute das mit gängigste Traumaexpositionsverfahren weltweit.
Die Grundlage des Verfahrens beruht auf Erkenntnissen von schnellen Augenbewegungen, die in den Rem-Schlafphasen jede Nacht bei Menschen regelmäßig auftreten. In diesen Schlafphasen werden wichtige Tagesereignisse sowie zurückliegende Ereignisse aus der Vergangenheit verarbeitet. In der Durchführung des EMDR wird insbesondere das Ausführen von schnellen bilateralen Augenbewegungen unter genau festgelegten Voraussetzungen therapeutisch genutzt. Damit sollen die Verarbeitungsprozesse im Gehirn aktiviert und beschleunigt werden und der Selbstheilungsprozess eingeleitet werden
EMI (Eye Movement Integration)
EMI wurde von dem Therapeutenpaar Andreas in den USA entwickelt und von Dany Beaulieu, Canada, weiterentwickelt. Das Verfahren basiert auf der Grundlage des neurolinguistischen Programmierens, wo angenommen wird, dass in unterschiedlichen Gesichtsfeldbereichen unterschiedliche Informationen abgespeichert werden. Diese einzelnen Gesichtsfeldquadranten werden mittels langsamer Augenbewegungen über alle Gesichtsfeldbereiche durchgearbeitet, in stressigen Situationen wird immer mittels Ankertechniken der Stress reduziert. Positive Verfahren werden mit runden Augenbewegungen integriert. Der Unterschied zu EMDR ist primär die hohe Variabilität des Verfahrens.
Nach jeder Sitzung zur Traumabearbeitung wird gewährleistet, dass die betreffende PatientIn rundum versorgt wird, dass insbesondere die Bezugsschwester im engen Kontakt mit ihr verbleibt. Die darauffolgenden weiteren Traumabearbeitung ssitzungen erfolgen in Abständen von 10-14 Tagen. Dies geschieht deswegen, da in dieser Zeit die Selbstheilungskräfte aktiviert worden sind und ein zu schnelles weiteres Bearbeiten von traumatischem Material den Selbstheilungsprozess stören bzw. negativ beeinflussen würde.
M. Kraft, Dipl.-Psych.
Oberpsychologe
Psychologischer Psychotherapeut
Chefarztsekretariat
Frau Grübel
Telefon 05626 87-931
Fax 05626 87-900
E-Mail gruebel@hardtwalklinik1.de
zur Abteilung Psychiatrie und
Psychotherapie

Chefarzt Dr. Niklas Schmitt
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Aktualisiert am 07.07.2011