Informationen zur Hardtwaldklinik Rehabilitation in Bad Zwesten. Klinik für Neurologie (AHB), Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik. Weitere medizinische Angebote sind: Frührehabilitation
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Neurologische Psychosomatik

Die Behandlung neurologischer Erkrankungen erfordert nach akut- und intensivmedizinischer Primärversorgung nicht selten einen langwierigen Prozess der Rehabilitation. Häufig kommt es bei chronischen Krankheitsprozessen zu seelisch-geistigen Sekundärphänomenen. Diese äußern sich u.a. in Resignation, gestörter Krankheitsbewältigung, seelischer und/oder sozialer Reaktionsbildung mit erheblichen Krisen von Selbstwert und Lebenssinn. Andererseits können sich seelische Erkrankungen körperlich manifestieren und pseudo-neurologische Störungsbilder hervorrufen wie Lähmungen, Anfälle, kognitive Störungen und Schmerzsyndrome. Aus beiden Situationen erwachsen schwere krankheitswertige Einschränkungen körperlicher Funktionen und Fähigkeiten, verbunden mit Störungen von Rollenverhalten und sozialer Integration mit oft erheblich zusätzlichem Bedarf an echter oder vermeintlich notwendiger medizinischer Versorgung.

Das bio-psycho-soziale Krankheitsmodell der modernen Psychosomatik liefert die Grundlage für Diagnostik, Verständnis und Behandlung solcher kombinierter Störungsmuster.

Unsere Abteilung „Neurologische Psychosomatik„ bietet über die sonst in der Neurologischen Rehabilitation übliche psychologisch begleitende Betreuung hinaus die Möglichkeit intensiver körper- wie psychotherapeutischer Behandlung in einem integrativem Rahmen.

Indikationen

  • Alle neurologischen Erkrankungen mit relevanten psychischen und/oder psychosomatischen Symptomen
  • Alle psychischen und/oder psychosomatischen Erkrankungen mit relevanten neurologischen Symptomen
  • Beispiele: Störungen der Krankheitsverarbeitung bei Multipler Sklerose, Epilepsien, Schlaganfall, Erkrankungen des Bewegungsapparates
  • weiterhin: psychogene Lähmungen, Schmerzsymptome, unklare Bewußtseinsstörungen

Kontraindikationen

  • Floride Psychose, schwere Borderline-Störung, intensive Pflegebedürftigkeit, manifeste Suizidalität, Sucht

Voraussetzungen vor Aufnahme

Zusage der Kostenträger. Gezielte Indikationsklärung anhand ärztlicher Einweisung, ärztlich-therapeutischer Unterlagen und Vorbefunden.

Bei Unklarheit erfolgt Anfrage an die Patient/innen, ob psychotherapeutisches Angebot gewünscht wird oder nicht. Falls ja, nach Akteneingang auf Station Zuweisung zu schwerpunktmäßigem Psychotherapieprogramm.

Aufnahme

Bei Schwerpunkt Psychotherapie Erstgespräch mit aufnehmender Psychologin.

  • Ärztliche Untersuchung mit Abklärung der medizinischen Diagnosen, ggf. Einleitung weiterer Diagnostik sowie Erstellung eines somatischen Therapieplanes.
  • Ärztlich-neurologische Untersuchung, ggf. Zuweisung zur begleitenden Psychotherapie, dann Vorgespräch mit Musiktherapeutin oder Bewegungstherapeut.
  • Psychotherapeutisches Erstinterview mit biographischer Anamnese.
  • Erstellung eines individuell abgestimmten Gesamtbehandlungsplans.
  • Konzeptvorstellung und -erläuterung einzeln und in der Gruppe.

Mögliche Rehabilitationsziele

  • Vermittlung von Krankheitswissen und Erarbeitung eines Psychogeneseverständnisses
  • Besserung der somatischen Funktionsstörungen
  • Differentialdiagnostische Klärung somatisch wie psychisch
  • Förderung von Krankheitsverarbeitung
  • Stärkung der eigenen Fähigkeiten und Reduzierung von Handicaps
  • Seelische Stabilisierung, evtl. mit Motivierung zur ambulanten Therapie
  • Linderung und Besserung vor bestehender oder begleitender neurotischer oder krankheitsreaktiver Störungsmuster
  • Minderung psychosomatischer Wechselwirkungen
  • Abgrenzung neurotischer von organischer Hirnleistungseinschränkung
  • Erarbeitung realistischer Perspektiven für das Erwerbsleben
  • Förderung der Eigenverantwortlichkeit und Selbstfürsorge

Therapieprogramm

  • somatische Therapie mit Neuropsychologie, Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie, physikalischer Therapie und Sport/Mototherapie
  • Gruppenpsychotherapie mit verbal tiefenpsychologischem und nonverbalem musik- oder bewegungstherapeutischem Anteil
  • Einzelpsychotherapie, begleitend oder ausschließlich
  • Genusstherapie verhaltensorientiert in Gruppen
  • Vermittlung von Entspannungstechniken, Schulung der Körperwahrnehmung
  • Indikationsspezifische Informationsgruppen (MS, Schmerz, Epilepsie, Schlaganfall)
  • Therapeutische Nutzung des Stationsmilieus
  • kritischer Einsatz von Psychopharmaka
  • Ärztliche Gespräche neben Visiten mit begleitender Würdigung des Rehabilitationsprozesses
  • Angehörigenarbeit
  • Kreatives Freizeitangebot (kulturell und kommunikativ)
  • Verhaltensmedizinisch orientierte Schlafförderungs- und Raucherentwöhnungstherapie
  • Unterstützende Tinnitustherapie
  • Sozialmedizinische Situationsklärung und Hilfestellung

Entlassung

Abschließende gemeinsame Würdigung des Erreichten mit Prognoseeinschätzung,

sozialmedizinische Beurteilung mit Diskussion der Zusammenhänge, Information über Möglichkeiten der Nachsorge und Erarbeitung eines Nachsorgekonzepts.

Struktur, Verlaufskontrolle und Dokumentation

  • Regelmäßige Überprüfung des psychotherapeutischen Prozesses und des körpermedizinischen Befundes durch betreuenden Arzt/Ärztin, behandelnde Therapeut/innen und Behandlungsteam
  • schriftliche Verlaufsdokumentation mit regelmäßigem Austausch im Team
  • qualifizierte und kompetente Therapie durch entsprechend fortgebildete Mitarbeiter/innen
  • Einsatz wissenschaftlich fundierter und empirisch hinreichend begründeter Methoden
  • Sicherung der Qualität durch DIN EN ISO 2004 - Zertifizierung, durch Kostenträger, externe Fall- und Teamsupervision, Balint-Arbeit, kontinuierliche hausinterne Fortbildung






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