
Eye Movement Integration
EMI ist ein spezielles traumatherapeutisches
Verfahren, dass in den 80er Jahren von Steven und Conny Rae
Andreas, einem amerikanischen Therapeutenpaar, beides namhafte
NLP-Trainer und Hypnotherapeuten, entwickelt wurde und erstmals
1987 im amerikanischen Raum vorgestellt wurde.
Dieses Verfahren wurde von der kanadischen Psychotherapeutin Danie Beaulieu weiterentwickelt und im englischsprachigen Raum, langsam auch in Deutschland und angrenzenden Ländern als anerkanntes Therapieverfahren zur Behandlung von traumatisierten Menschen angewendet und findet auch Anwendung bei der Behandlung von Angst- und Panikstörungen.
EMI ist ein Verfahren, was dem EMDR als traumatherapeutisches Verfahren nahe kommt, was sich jedoch im Vorgehen deutlich von der Konzeption unterscheidet.
EMI wurde auf der Grundlage der Annahme aus dem neurolinguistischen Programmieren entwickelt, dass Erinnerungen in spezifischen Feldern des Gesichtskreises abgespeichert werden, so z. B. wenn die Augen des Menschen nach oben rechts stehen, erinnern wir uns an etwas, was wir in der Vergangenheit wirklich gesehen haben oder, wenn die Augen in der Mitte rechts stehen, dann erinnern wir uns an Töne und Geräusche, die wir gehört haben.
Ähnlich dem EMDR wird bei EMI die traumatische Erinnerung, nach ausreichender Stabilisierung, mittels langsamer Augenbewegungen durchgearbeitet, dabei werden Richtungswechsel vorgenommen. Die Augenbewegungen finden vertikal, horizontal sowie von links unten nach rechts oben und von rechts unten nach links oben durchgeführt. Ausgangspunkt dazu ist ein Gesichtsfeld, was in neun Quadranten aufgeteilt ist. Jeder einzelne Quadrant bzw. Quadranten werden mit unterschiedlichen Bewegungsrichtungen durchgearbeitet.
Bevor man jedoch EMI als Verfahren anwendet, ist es wichtig und unerlässlich, die Übungen aus der psychodynamisch-imaginativen Psychotherapie nach Luise Reddemann zu erlernen sowie Sicherheitsanker und Ressourcen-Zonen zu entwickeln. Mit Ressourcen-Zone ist gemeint, dass im o. g. beschriebenen Quadrantenfeld Ressourcen-Zonen (einzelne Quadranten) gefunden werden, die mit positiven Kognitionen oder positiven emotionalen Inhalten verbunden sind.
Die Entwicklung von Sicherheitsanker finden auf allen Sinneskanälen statt, so z. B., dass ein positiver beruhigender Geruch gefunden werden muss, ein positiv besetztes inneres Bild (z. B. von einem Tier oder einer Landschaft), ein angenehm beruhigendes Musikstück, eine positive Hauterinnerung, ein besonders angenehmer Geschmack. Diese Verankerungen müssen geübt werden, so dass sie in Stresssituationen während des Durcharbeitens von traumatischem Material eingesetzt werden können zur inneren Stressreduktion als auch zur Einsetzung für den Alltag.
Hilfreich ist es auch, wenn man eine starke Erinnerung mit einer bestimmten Körperhaltung verbindet und auch wenn man im Therapieraum einen Stuhl als den gewünschten Rossourcenzustand und einen anderen Stuhl als den unerwünschten Ressourcenzustand etabliert.
Bei traumatischem Material wird mit dem Erinnerungsmoment begonnen, was den intensivsten Dis-Stress aufzeigt, bei Panikattacken mit der letzten Panikattacke, bei klaustrophobischen Zuständen mit der Erinnerung mit der höchsten Empfindung oder Reaktion.
Die Behandlung mit EMI mittels Augenbewegungen wird dort begonnen, wo die PatientIn sich im visuellen Quadranten angenehm fühlt und wo kein emotional hochbesetztes Material vorliegt (z. B. außen rechts).
Beim Durcharbeiten wird immer nach Bildern, Klängen, Gerüchen, Körperempfindungen gefragt. Jeder der einzelnen Augenbewegungen (vertikal, horizontal, quer) wird 5-10-mal wiederholt. Wenn die KlientIn in eine hochstressige Reaktion hineinstrebt, wird diese mittels der vorher benannten Sicherheitsanker unterbrochen. Es ist nicht hilfreich, beim Durcharbeiten von traumatischem Material wiederholt hochstressige Reaktionen zu erleben. Nach der kurzen Unterbrechung wird in einem Feld weitergearbeitet, was sich zuvor als wenig belastend zeigte.
Zu Anfang werden bestimmte Schlüsselwörter, die das spezifische Trauma oder den Angstzustand darstellen, festgelegt und werden von TherapeutInnen immer bei jeder einzelnen Augenbewegungsrichtungsänderung wiederholt.
EMI sollte nicht angewendet werden vor Ablauf von 10 Tagen nach dem Trauma selbst und darf nicht angewendet werden bei Klienten, die kardiale Probleme haben oder Erkrankungen im Augenbereich oder auch bei Epilepsien. EMI darf auch nicht angewendet werden, wenn Patientin innerhalb traumatischer Erlebnisse akut medizinisch behandelt werden mussten, aufgrund lebensgefährlicher Körperreaktionen wie z.B. Herzstillstand.
Eine durchschnittliche Sitzung unter der Anwendung von EMI dauert ca. 2 Stunden. Nach der jeweiligen Sitzung sollte der mindestzeitliche Abstand 10 Tagen betragen, da über die Aktivierung der Selbstheilungskräfte der KlientIn die traumatische Erfahrung weiter innerlich verarbeitet wird.
Bei komplextraumatisierten KlientInnen kann man von einer Mindestanzahl von 4-6 Sitzungen ausgehen, bei Monotraumata, die nicht verbunden waren mit dem Erleben tödlicher Bedrohung, genügen oft 1-2 Sitzungen.
Wenig hilfreich ist das Verfahren, wenn die KlientInnen auf Psychopharmaka eingestellt sind bzw., wenn eine aktuelle Medikamentenumstellung erfolgt.
Wir, in der Hardtwaldklinik I verwenden EMI im Rahmen der traumatherapeutischen Behandlung bei Posttraumatischen Belastungsstörungen, bei Angststörungen und phobischen Störungen.
Literatur: Beaulieu, Danie: Eye Movement
Integration, Crown Publishing Ltd. Williston, USA, 2003
Reddemann, Luise: Psychodynamisch imaginative Traumatherapie,
Pfeiffer bei Klett-Cotta, 2004
M. Kraft, Dipl.-Psych.
Oberpsychologe
Psychologischer Psychotherapeut
Chefarztsekretariat
Frau Grübel
Telefon 05626 87-931
Fax 05626 87-900
E-Mail gruebel@hardtwalklinik1.de
zur Abteilung Psychiatrie und
Psychotherapie

Chefarzt Dr. Niklas Schmitt
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Aktualisiert am 07.07.2011